Stephan Fricke, CEO und Vorsitzender des Beirates, Deutscher Outsourcing Verband e.V. Lesen Sie das Interview in der Zeitschrift der AHK Polen „Wirtschaftsnachrichten“ (Deutsch, Polnisch) hier.

Das Interview im Text

Wie sieht der Markt für SSC/ BPO/KPO in Deutschland zur Zeit aus?

Wir unterscheiden in dieser Frage zwischen Captive Lösungen, sprich Shared Service Centern und externen Kooperationen, also Business Process Outsourcing.

Shared Services haben in Deutschland eine lange Tradition. Gerade für Großunternehmen ist dies ein sehr etabliertes Modell. Fast alle der Top 500 Unternehmen betreiben Shared Servcie Center entweder innerhalb oder auch außerhalb Deutschlands.

Beim Business Process Outsourcing gibt es unterschiedliche Tendenzen. Wenn wir uns beispielsweise Leistungen rund um die Lohn- und Gehaltsabrechnung (Payroll) anschauen, haben Nutzer eine breite Auswahl an Dienstleistern und Lösungen. Im Bereich Finanzen und Buchhaltung (Finance and Accounting) zeigt sich der Markt weitaus weniger offen. Zum einen fehlt es auf Anwenderseite an der Bereitschaft umfassend externe Leistungen in Anspruch zu nehmen, auf der anderen Seite sind auch Anbieter noch nicht optimal auf die Anforderungen der Kunden vorbereitet.

Wie würden Sie die Entwicklung und die Sättigung des Marktes in Polen und Deutschland in dieser Branche vergleichen? Kann man ein führendes Land in diesem Bereich ausmachen?

Ich denke, ohne zumindest für Polen auf konkrete Zahlen zurückgreifen zu können, dass die Mentalität externe Dienstleister für BPO zu nutzen etwas offener scheint als dies zurzeit noch in Deutschland der Fall ist. Ich kenne Beispiele auf polnischer Seite für beide Tendenzen: Wachstum über Export von Leistungen, also (Outsourcing) zu generieren sowohl als auch sich auf den polnischen Markt zu konzentrieren und dort neue Wachstumsmöglichkeiten zu finden.

In Deutschland stehen BPO Anbieter vor einer etwas anderen Situation. Aufgrund des zwar vorhandenen, aber immer noch zurückhaltenden Wachstums auf dem heimischen Markt ist die Internationalisierung für einige Anbieter eine tatsächliche Option, um weiter und schneller zu wachsen. Gerade mit der deutschen Geschäftsmentalität, Datenschutzregeln und Zuverlässigkeit sind deutsche Anbieter sicher auch im Ausland konkurrenzfähig.

Der deutsche Markt hat eine besondere Charakteristik. Könnten Sie dies bitte genauer beschreiben? Was sollten Anbieter aus anderen Ländern, die ihre Dienstleistungen deutschen Firmen anbieten wollen, besonders berücksichtigen?

Gerade bei der Auslagerung von Geschäftsprozessen an externe Dienstleister (BPO) stehen sowohl Anbieter als auch Anwender vor einigen Herausforderungen. Zum einen fehlt vielen Entscheidern das nötige Wissen, um Möglichkeiten der Auslagerung exakt beurteilen zu können sowie die eigene Organisation darauf vorzubereiten. Und zum anderen sind Anbieter teilweise nicht genügend vorbereitet, um Entscheider von Anwederunternehmen (also die outsourcenden Unternehmen) in Deutschland bei ihren Herausforderungen kompetent zu unterstützen.

Darüber hinaus spielen das hohe Risikobewusstsein und die deutsche Geschäftsmentalität eine wichtige Rolle. Anbieter sollten darauf vorberietet sein auch offensichtliche Aspekte zu Datenschutz und Risikomanagement beantworten zu können. Sie sollten die Möglichkeit haben sinnvolle vertragliche Rahmenbedingungen anbieten zu können und sich um maximale Transparenz bemühen.

Sie haben einen Outsourcing Destination Guide Poland herausgegeben. Welche Informationen können Investoren darin finden?

Unsere Serie Outsourcing Destination Guides richtet sich sowohl an Anwender als auch an Berater und Investoren. Ziel ist es einen komprimierten Marktüberblick zu geben sowie einen Einblick in die ITO bzw. BPO Branche der jeweiligen Länder, so wie Polen zu erlauben. Durch Projektberichte möchten wir den Lesern Beispiele für die Leistungsfähigkeit und Arbeitsweise von ausländischen Anbietern zeigen.

Darüber hinaus enthalten die Guides Kontakte zu Unternehmen und Organisationen die auf unseren Heimatmärkten aktiv sind.

Wie wird sich der deutsche Outsourcingmarkt weiterentwickeln?

Entscheider in Deutschland haben kaum eine andere Wahl als sich mit Modellen zu beschäftigen, die teils weitereichende Kooperation mit externen Dienstleistern beinhalten. Der Fachkräftemangel bremst Unternehmen im wahrsten Sinne des Wortes in ihren Geschäften. Time-to-Market aber auch Maintenance und Weiterentwicklung von Leistungen und Produkten sind unternehmenskritische Aspekte, die durch eine weiterreichende Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern positiv beeinflusst werden können. Dies gilt sowohl für IT und Technologie als auch für Geschäftsprozesse.

Wir schätzen den Markt für ITO und BPO Leistungen sehr positiv ein und arbeiten sowohl mit Anwendern als auch mit Beratern und Anbietern zusammen, um die Bedingungen in unseren Heimatmärkten weiter zu verbessern.

 

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